Das Derby
Auch Traditionen können sich ändern. Wurde das Deutsche Derby mit wenigen Ausnahmen seit 1869 immer am ersten Sonntag im Juli gelaufen, so ist das im Jahr 2010 wegen der Fußball-Weltmeisterschaft anders. Erst am 18. Juli steigt das wichtigste Rennen des Jahres im deutschen Turf. Aber sonst ist auch beim IDEE 141. Deutsches Derby alles wie immer an einem Derby-Sonntag in Hamburg-Horn ....
Dann summt die ganze Rennbahn. Zehntausende von Zuschauern, edelste Vollblüter auf dem Geläuf, die Jockeys, Trainer, Besitzer und Züchter in Hochspannung und High-Noon an den Wettkassen. Bei keinem anderen Rennen in Deutschland ist so viel Geld unterwegs, wie bei diesem: Beim wichtigsten Rennen des Jahres – beim IDEE 141. Deutsches Derby.
Die Spannung ist spürbar. Wenn sich die Startboxen öffnen und die Derbykandidaten zum ersten Mal an den Tribünen vorbeikommen, dann wird aus dem Summen der berühmte „Hamburg-Roar“: Dann mischt sich die lautstarke Anfeuerung der begeisterten Zuschauer mit dem donnernden Trommelwirbel der galoppierenden Hufe.
Die Pferde und Jockeys kämpfen um die wichtigste und begehrteste Trophäe im deutschen Galopprennsport, es ist der Kampf um das Blaue Band. Nach 2400 m und knapp zweieinhalb Minuten wird der Jubel ohrenbetäubend. Die Entscheidung: Es gibt einen neuen Derbysieger!
Ein Jockey, ein Pferd, sein Trainer, seine Besitzer und Züchter werden von einer Welle der Begeisterung getragen. „Es gibt für einen Jockey nichts Schöneres als nach dem Derby zwischen den beiden Schimmeln als Sieger vom Geläuf zu kommen“, erinnert sich Hein Bollow, der sowohl im Rennsattel als auch als Trainer die magische Grenze von 1000 Siegen knackte, „viermal habe ich das erleben dürfen: 1953 mit Allasch, 1954 mit Kaliber, 1956 mit Kilometer und 1962 mit Herero: Es war ein unbeschreibliches Gefühl!“ Ein Sieg als Trainer 1974 mit Marduk rundet Bollows persönliche Derby-Bilanz ab.
„Es ist die Erfüllung eines Lebenstraums“, bekennen Züchter und Besitzer wie Hans-Hugo Miebach, der 2002 mit Next Desert seinen ersten Derbysieger in den eigenen blau-weißen Rennfarben vom Geläuf holen durfte: „Und es ist umso schöner, wenn man das Pferd selbst gezüchtet und viele Jahre lang auf diesen Moment hingearbeitet hat!“
Andere hatten weniger Glück: Obgleich auf allen Rennplätzen der Welt hoch erfolgreich, fehlt ihnen der Derby-Sieg in der Bilanz: Es ist eben auch „das verrückteste Rennen der Welt“. So jedenfalls urteilte die Trainerlegende Heinz Jentzsch und er muss es wissen, schließlich sattelte er von 1969 mit Don Giovanni bis 1994 mit Laroche gleich acht Derbysieger!
Nur einer war noch besser: George Arnull mit neun Siegen – allesamt für das Gestüt Schlenderhan, das sich als erfolgreichster Besitzer sage und schreibe 18mal in die Siegerlisten eintragen durfte. Zuletzt 2009 mit Wiener Walzer.
Ein Rennpferd hat dagegen nur einmal im Leben die Chance dieses Rennen zu gewinnen: Nur im Alter von drei Jahren darf es im Deutschen Derby laufen. So sieht es das Reglement vor. Und schon die Teilnahme ist schwierig genug: Von über 1000 Fohlen eines Jahrgangs sind es maximal 20, die sich über Qualifikations-Rennen einen Derby-Startplatz erlaufen können.
Die Geschichte des Derbys ist nicht nur die Geschichte des wichtigsten Rennens in der deutschen Vollblutzucht, es ist auch ein Stück Kulturgeschichte. Zwei Weltkriege hat das Derby überdauert, fünfmal musste es deshalb von Hamburg-Horn aus umziehen: 1919 nach Berlin-Grunewald, 1943 und 1944 nach Berlin-Hoppegarten, 1946 nach München-Riem und 1947 nach Köln. Aber Hamburg ist die Heimat dieses unvergleichlichen Rennens.
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