Derby-Geschichte
Die Gruendungsvaeter des Hamburger Renn-ClubEs war im Jahre 1867, als der damals noch junge Hamburger Renn-Club eine Entscheidung fällte, die weit reichende Folgen für den Rennsport nicht nur in der Hansestadt haben sollte. Die leitenden Herren des Vereins, der 1852 gegründet wurde, zunächst in Wandsbek, ab 1855 im Ortsteil Horn Rennen durchführte, hatten eine revolutionäre Idee: Ein großes Rennen sollte geschaffen werden, mit langem Nennungsschluss, ein Derby für dreijährige Pferde nach englischem Vorbild, das zunächst einmal Norddeutsches Derby heißen sollte.
1869 - W. Little steuerte Investment zum 1. Derbysieg31 Nennungen wurden am 1. November 1867 für das für das Jahr 1869 vorgesehene Rennen für jeweils 25 Reichstaler abgegeben, das war für den Renn-Club fast etwas enttäuschend, doch war die Vorlaufzeit für damalige Verhältnisse schon erheblich. Das erste Norddeutsche Derby wurde schließlich unter enormen Zuschauerzuspruch am 11. Juli 1869 gelaufen. Fünf Pferde gingen an den Start, Investment im Besitz des damals 29 Jahre alten Ulrich von Oertzen, einem späteren Reichstagsabgeordneten, setzte sich als Favorit durch, sicherte seinem Eigner 1975 Reichstaler (Gewinn plus Einsätze), der zweitplatzierte Rabulist verdiente demgegenüber bescheidene 100 Reichstaler.
In den ersten Jahren waren ausschließlich „Pferde in den zum Norddeutschen Bunde gehörenden Staaten und Landestheilen" zugelassen, ab 1872 durften dann aber alle deutschen Pferde mitlaufen, zudem auch die aus Österreich Ungarn. Doch erst 1889, als mit Uram-batyam ein in Budapest trainiertes Pferd gewinnen sollte, hieß das Rennen offiziell „Deutsches Derby."
1903 - der Kaiser in HornDass das Rennen sich schnell als das Highlight der deutschen Rennsaison etablieren sollte, war nur logisch. Es gab halt das meiste Geld zu verdienen, was sich bis heute, bis auf wenige Ausnahmejahre, gehalten hat. 1890 standen etwa schon 38.000 Mark als Dotierung über dem Derby, darauf geschlagen wurden die Nenngelder – der Besitzer des damaligen Siegers Dalberg kassierte mit 57.200 Mark soviel, wie noch kein anderer Eigner vor ihm in einem deutschen Pferderennen. Was auch daran lag, dass der zunächst vom Staat misstrauisch beäugte Totalisator legalisiert wurde, die Buchmacher dagegen keinen Zutritt mehr zur Bahn hatten. Wenigstens vorläufig.
1911 - fuers Derby feingemachtIn jenen Jahren wurde das Derby von den Pferden des Hauptgestüts Graditz geprägt, die von 1886 bis zum Ende der staatlichen Pferdezucht das Rennen zwölfmal gewinnen sollten. Einen regelrechten Boom erlebte das Derby und natürlich auch die Rennen in Horn zu Beginn des 2. Jahrhunderts. Schon 1897 war das Preisgeld auf üppige 100.000 Mark geklettert. Der Kaiser kam auf die Bahn und wurde zum Stammgast, gesellschaftlich wurde der Derbytag zu einem „Muss". Sportlich forderten die Pferde aus dem Gestüt Schlenderhan im Besitz des Freiherrn von Oppenheim die Graditzer mehr und mehr heraus. Von Sieger 1908 bis Wiener Walzer 2009 sollten es 18 Derbysiege werden, kein Gestüt hat öfter gewonnen.
Der Erste Weltkrieg konnte den Aufschwung des Rennsports kaum stoppen. Noch 1912 hatte der Renn-Club 900.000 Mark in die Anlage und eine neue Tribüne investiert. Trotz der Kriegswirren wurde eifrig gewettet, erst 1919 musste das Derby wegen revolutionärer Unruhen in Hamburg kurzfristig nach Berlin-Grunewald verlegt werden.
In den 30-er Jahren ... auch die Herren mit HutDas Derby 1923, offiziell mit 80.000 Mark ausgeschrieben, war aufgrund der Inflation von Multiplikatoren plötzlich 80 Millionen Mark wert. Doch das war schon tags darauf schon wieder wertlos. Im November betrug das Vermögen des Hamburger Renn-Clubs 3671 Billionen Mark, doch als die Rentenmark eingeführt wurde, waren es plötzlich nur noch 3.671 Mark!
1930 - Waldemar Baron von Oppenheim holt Alba vom GelaeufDas alles konnte den Boom im Turf nicht stoppen: Weinberg, Oppenheim, Haniel, das waren die führenden Besitzer, Ernst Grabsch, Everett Haynes und der junge Otto Schmidt die Stars im Sattel. Die Derbysieger hießen Ferro, Graf Isolani oder Alba, waren bekannt wie heute Fußballprofis. Auch die Machtergreifung der Nationalsozialisten bedeutete noch kein Ende des Aufschwungs, die neuen, vom Rennsport aber zu Recht wenig geschätzten Herren zeigten sich sogar sehr angetan vom Turf, sollten später das Gestüt Schlenderhan annektieren. Stuten prägten die Szene, Nereide und Schwarzgold werden noch heute als „Wunderpferde" bezeichnet.
1939 - Trainer Georg Arnull mit Jockey Gerhard Streit vor dem Wehr Dich-Derby.Eine große Zäsur bedeutete der Zweite Weltkrieg. 1945 fiel das Derby ganz aus, in den Jahren darauf wurde es in München und Köln ausgetragen, erst 1948 kehrte es nach Hamburg zurück und mit Birkhahn gewann auch ein ganz Großer der deutschen Vollblutzucht. Doch die Fünfziger, ja auch noch die Sechziger Jahre waren in Horn geprägt von finanziellen Problemen. Das Besucherinteresse am Derbytag war immer enorm, es wurden bis zu 50.000 Besucher gezählt, doch der Rahmen war stets bescheiden. Es kam der Gedanke auf, das Derby besser woanders, etwa in Köln ausgetragen zu lassen.
1962 - Hein Bollow mit seinem 4. Derbysieger Herero vom Gestuet RoemerhofImmerhin ging es mit dem Preisgeld nach oben: 100.000 Mark standen über dem Derby 1956, das Kilometer unter dem „Hamburger Jung" Hein Bollow gewann.Trotzdem blieb die finanzielle Lage des Renn-Clubs prekär, bis Ende der Sechziger Jahre. Erst 1969, als Don Giovanni das 100. Derby gewann, gab es eine Art Wende. Am Derbytag wurden 2.1 Millionen Mark gewettet, es gab erhebliche Einnahmen aus den Eintrittsgeldern. Deutschland erlebte in den Folgejahren einen regelrechten Turf-Boom, Preisgelder und Wetteinnahmen stiegen in vorher nicht gekannte Höhen. Als 1977 der spätere Deckhengst-Star Surumu im kopfstärksten Derbyfeld aller Zeiten gegen 23 Gegner durchsetzte, gab es stolze 424.600 Mark zu gewinnen, der Umsatz erreichte allein in diesem Rennen nie gekannte 883.452 Mark.
1984 wurde das Derby erstmals mit einem Wirtschaftsunternehmen als Partner gelaufen (IBM), von 1987 bis 1991 hieß das Rennen Holsten Cup, von 1991 bis 2009 war BMW der Partner des Derbys. IDEE sponsort die 140., 141. und 142. Auflage des deutschen Derbys. Im Jahr 2012 heißt es SPARDA 143. Deutsches Derbyl
2006 - Schiaprarelli Andrasch Starke gewinnt das 2. Derby fuer den Stall Blankenese. www.galoppfoto.deDie Namen der Stars haben sich inzwischen geändert, heute sind Andrasch Starke oder Andreas Suborics die Publikumslieblinge, der Stall Blankenese um den langjährigen, im November 2008 verstorbenen, HRC-Präsidenten Franz-Günther von Gaertner gewann das Derby im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausend sogar dreimal: mit den Brüdern Samum (2000) und Schiaparelli (2006) und mit dem Samum-Sohn Kamsin (2008). Die großen Zeiten der Achtziger und Neunziger Jahre sind fast schon Historie, doch die Magie des Derbys ist geblieben – seit 1869.





















