Rennbahn
Die Rennbahn in Hamburg-Horn fasst mehr Zuschauer als jede andere Bahn in Deutschland. Mehr als 50 000 Zuschauer finden hier Platz – so kommt die richtige Derby-Stimmung auf! Einmalig ist der Tunnel, der – 1912 erbaut – die Tribünenseite mit dem Innenraum verbindet. Während der Derbywoche entsteht im Innenraum eine richtige Zeltstadt mit vielen unterschiedlichen Bereichen für Zuschauer und Sponsoren, aber auch der Führring und der Absattelring haben hier ihren Platz.
Wo ist was? Hier finden Sie die wichtigsten Plätze auf der Rennbahn.
Die Derbybahn in Hamburg-Horn hat eine lange Tradition: Bereits am 27. Juli 1855 fanden dort die ersten Rennen des „Hamburg Lokstedter Renn-Clubs“ statt, dem Vorläufer des jetzigen „Hamburger Renn-Clubs“ (dazu auch: Geschichte des Hamburger Renn-Club). Der hatte sich zwei Jahre zuvor, am 23. Februar 1852, gegründet und bereits erste Rennen auf einer Bahn in Lokstedt abgehalten, die sich jedoch schnell als zu klein erwies. Deshalb wurde am 25. April 1854 das Gelände der Horner Gemeindeweide käuflich erworben und zur „Horner Renncoppel“ umgebaut. Sie besaß einen Umfang von knapp 1900 Metern und erhielt eine 50 Meter breite Bahn. Schon im 2. Jahr gab es eine - zugegeben noch ziemlich bescheidene – Tribüne, aber der Anfang war gemacht.
Seit 1856 nannte man sich auch stolz „Hamburger Renn-Club“ und die federführenden Herren, die zu Recht den Beinamen „Sportsmen“ führten waren auch weiterhin sehr rege: Am 11. Juli 1869 fand das erste Norddeutsche Derby statt mit dem Sieger Investment. Daraus wurde später das „Deutsche Derby“, das wichtigste Rennen des Jahres. (Dazu auch: Geschichte des Derbys) Und auf der Bahn tat sich auch einiges. Zur Saison 1870 wurde eine kleine Bretterbude zum Wetten aufgestellt: Deutschlands erster Totalisator! 1873 hatte man die Tribüne um 1.824 Plätze erweitert und das alte Gebäude auf dem Sattelplatz durch ein neues aus Holz ersetzt. Für die Derbytage 1874 stellte man zusätzlich einen hölzernen Pavillon auf. Damen-Garderobe nebst "Closet" sowie ein Büfett waren hier untergebracht.
Im Sommer 1875 folgte eine "Trainier-Anstalt" mit 16 Pferdeboxen nebst Wohnhaus und auch die Tribünen-Bauten wuchsen: Unmittelbar südlich der alten Tribüne wurde 1886 eine 32,50 Meter lange Holztribüne mit 554 Sitzplätzen fertig gestellt, die allerdings nur wenige Jahre erhalten blieb. Rechtzeitig zum 50-jährigen Bestehen entstand 1902 ein neues "Directions-Gebäude" mit Aussichtsplattform und Musik-Pavillon. Neben dem Directions-Raum gab es noch jeweils einen für Jockeys, Trainer, Gentlemen, Waage, Casse, Presse, Post und Telegraphen sowie das Schiedsgericht. Für 20.000 Mark hatte man zudem ein neues Totalisator-Gebäude sowie ein Sattel- und Stallgebäude errichten lassen.
Wesentliche Umbaumaßnahmen, die die Rennbahn in Hamburg-Horn bis in die heutige Zeit prägen, finden in den Jahren 1910 bis 1912 statt: Zunächst wird die alte Tribüne von 1873 nach dem Derby demontiert und ohne Dachaufsatz etwa 70 Meter weiter südlich wieder aufgebaut. Mit den Frühjahrsrennen am 28. April 1912 werden die Neuanlagen auf der Horner Rennbahn eingeweiht. Dazu gehören neben den beiden großen Tribünen aus Eisenbeton auch ein Tunnel unter dem Geläuf. Die Haupttribüne ist 83 Meter breit und 17 Meter tief. Sie besitzt 3.526 Plätze, davon 2.482 Sitzplätze.
Im Zweiten Weltkrieg wird die Horner Rennbahn schwer beschädigt, so dass das Deutsche Derby fünf Jahre nicht hier stattfinden konnte: 1943 und 1944 wanderte es nach Berlin-Hoppegarten, 1945 fiel es ganz aus, 1946 fand es in München und 1947 in Köln statt. Im Jahr 1948 schließlich war es wieder so weit, die Prüfungskommission des Direktoriums für Vollblutzucht und Rennen hatte „grünes Licht“ gegeben und attestierte dem Hamburger Renn-Club: „Die Horner Rennbahn entspricht wieder allen Anforderungen einer rennsportlichen Großveranstaltung. Das 25 Meter breite Geläuf befindet sich schon jetzt in dem aus früheren Jahren gewohnten tadellosen Zustand.
Die Beregnungsanlage, Startmaschine und Zeitmessung sind wiederhergestellt. Das Waagegebäude sowie die erste und ein Teil der zweiten Tribüne sind erfreulicherweise erhalten geblieben oder konnten bereits wieder für eine volle Ausnutzung wiederhergestellt werden, so dass auch bei dem zu erwartenden Massenbesuch jeder gute Sichtmöglichkeit findet.“
Das Derby war also wieder in Hamburg, wo es trotz immer wieder auftauchender „Abwerbungsversuche“ auch geblieben ist. Aus der Gründerzeit des „Hamburger Renn-Clubs steht heute zwar keine Gebäude mehr, nur die große Tribüne von 1912 und der Tunnel unter dem Geläuf sind noch Zeugen der Kaiserzeit, aber die Tradition des Derbys in Hamburg lebt weiter.
Auch für die Zukunft gibt es große Pläne. Nach heutigem Stand soll die Rennbahn in den nächsten Jahren zur kombinierten Trab- und Galopprenbahn umgebaut werden. Der Architekt Boris Kraff legte Pläne vor, die im Innenraum der Bahn ein verglastes Tribünengebäude mit integriertem Führring vorsehen. Bei einer Zusammenlegung von Trab- und Galopprennen würde es somit voraussichtlich über 80 Renntage im Jahr in Horn geben.





