Der Weg zum Derby

Der Weg zum Derby

Auch Derbysieger fangen mal klein an: Isfahan kurz nach seiner Geburt am 05.03.2013. Der Fuchshengst stammt von Lord of England, die Mutter, Independent Miss, gehört dem Rennstall Wöhler von Andreas und Susanne Wöhler. Somit ist der Trainers des Derbysiegers zugleich sein Züchter. Ein Novum der bis dato 147-jährigen Derbygeschichte. Copyright: rennstall-woehler.de

Der Grundstein zu einem Sieg im Deutschen Derby wird vier Jahre vor dem Start gelegt. Und zwar in dem Moment, in dem der Züchter die Entscheidung trifft, zu welchem Hengst er diesmal seine Stute schickt. Soll es ein Flieger sein, ein Kurzstreckenpferd? Dann dürfte der jeweilige Nachkomme schnell und frühreif, möglicherweise schon im Alter von zwei Jahren zu guten Leistungen fähig sein. Das Derby, das über 2400 Meter und mithin über eine Steherdistanz führt, käme dann eher nicht in Betracht. Oder geht die Stute zu einem Mitteldistanzler oder Langstreckenspezialist? Dann wäre vier Jahre später Hamburg schon eher ein Ziel. Aber auch die Stute selbst sollte das nötige Stehvermögen für die Derbystrecke besitzen, zumindest aus einer entsprechenden Familie kommen.

Isfahan im "Rennen des Jahres", das ein Pferd nur einmal im Leben gewinnen kann: Im Deutschen Derby. Dort dürfen nur dreijährige Hengste und Stuten laufen. Der Hengst hatte als Jährling bei der BBAG-Auktion den Besitzer gewechselt und siegte in den Farben von Darius Racing in der 147. Auflage des IDEE Deutschen Derbys 2016. Copyright: Dr .Jens Fuchs

Sind so die Grundvoraussetzungen erfüllt, entwickelt sich später das Pferd zu einem halbwegs passablen Jährling und einem versprechenden Zweijährigen, dann kann ein Jahr vor dem eigentlichen Ereignis eine Derbynennung ins Auge gefasst werden. Viele Derbysieger sind zweijährig nicht einmal am Start gewesen, was somit kein Nachteil sein muss. Adlerflug etwa, der 2007 das „Blaue Band“ gewann, sah erst gut drei Monate vor seinem Triumph in Hamburg zum ersten Mal eine Rennbahn. Erfolgreich, was aber auch die Voraussetzung für die Zielrichtung Derby sein sollte.

In der Regel geht es für diese Kandidaten von Beginn an über längere Wege. Die einstige klassische Route spielt im Grunde keine Rolle mehr. So ist das Mehl-Mülhens-Rennen, im Mai in Köln der erste Klassiker der Saison, auf Grund seiner 1600-Meter-Distanz kaum noch eine Prüfung für spätere Derbypferde – das ist Historie. Eher sind es diverse Gruppe- und Listenrennen in Baden-Baden, Bremen, Düsseldorf, Dortmund, Dresden, Hannover, Köln, Krefeld oder München. Auch ein Handicap kann Richtung Derby führen, wie es 2006 noch von Schiaparelli gezeigt wurde, der im späten Frühjahr einen Ausgleich II in Hannover gewinnen konnte.

Der wichtigste Aufgalopp für Hamburg ist aber immer noch das Oppenheim Union-Rennen (Gruppe II) Mitte Juni in Köln über 2200 Meter. Wer in diesem Rennen, das noch 34 Jahre älter als das Derby ist, vorne ist, der hat auch in Hamburg erste Chancen.

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