Geschichte des Hamburger Renn-Clubs

Geschichte des Hamburger Renn-Clubs

Die Horner Rennbahn in den Gründungsjahren. Am 25. April 1855 war es soweit: „Es gereicht dem unterzeichneten Comité zur besonderen Befriedigung, den Herren Sportsmen die Anzeige machen zu können, dass eine neue Bahn gewonnen worden ist, wie sie nicht besser gewünscht werden kann“, so die hoffnungsvolle Kunde in den „Hippologischen Blättern“, „dieselbe liegt bei dem hamburgischen Dorfe Horn.“ Das war die Geburtsstunde der jetzigen Galopp-Rennbahn Hamburg-Horn.

Man schrieb das Jahr 1852. Sicher, die Ruderer und Segler auf der Alster waren schon recht aktiv, aber die Fußballer des großen HSV würden noch fast 40 Jahre bis zur Vereinsgründung brauchen. Da waren ihnen die Galopper um einige Nasenlängen voraus. Die Geburtsstunde des Hamburger Renn-Club fiel auf den 23. Februar des Jahres 1852. In der Tonhalle kamen 42 Herren, allesamt angesehene Bürger der Hansestadt, Kaufleute, Reeder, Bankiers,  kurz: „Sportsmen“ im Dienste des Rennsports zusammen, um den „Hamburger-Lockstedter Renn-Club“, den späteren Hamburger Renn-Club, aus der Taufe zu heben. Die Zielrichtung war klar: „Zweck des Clubs ist die Beförderung jeglicher Art Reitübungen im Freien auf möglichst wohlfeile Art.“, so hieß es in den Vereinsstatuten. Und unter Regie des ersten Präsidenten, Henry Droop, der in der mehr als 150jährigen Geschichte des Hamburger Renn-Clubs bis heute nur zehn Nachfolger hatte, folgten diesen wohlfeilen Worten schnell konkrete Taten.

Wichtige Gründungsväter des Hamburger Renn-Clubs: Eduard Moll, Senator Gustav Godeffroy, Vorsitzender des Hamburger Renn-Clubs von 1868 bis 1893, Georg Bandmann  und Hermann Roosen. Copyright: Archiv HRC

Die ersten Rennen auf einem Felde bei Lokstedt

Und wie rege die Herrschaften waren, zeigt sich darin, dass bereits am 8. August desselben Jahres die ersten Rennen unter ihrer Ägide über die Bühne gingen: Auf einem Felde bei Lokstedt, auf dem eine Rennbahn von 2000 Ellen (1150 Meter) im Umkreis errichtet worden war. „26 Pferde wurden zum Pfosten gebracht, die sich fast alle in guter Kondition befanden!“, berichten die „Blätter über Pferde und Jagd“ über dieses Ereignis. Und weiter: „Der Besuch der Bahn, auf welcher eine provisorische Tribüne, ein Schuppen zum Wiegen und Abreiten, eine Bedachung für die Musik und ein Richterstand erbaut waren, war ein fast übermäßig zahlreicher.“ Dermaßen ermuntert wurde im Gründungsjahr noch ein zweiter Renntag abgehalten.

Die Anfangszeiten auf der Horner Rennbahn

Allerdings wurden die Ansprüche größer, nun sollten auch öffentlich Rennen abgehalten werden und dafür musste eine neue Bahn her. Am 25. April 1855 war es soweit: „Es gereicht dem unterzeichneten Comité zur besonderen Befriedigung, den Herren Sportsmen die Anzeige machen zu können, dass eine neue Bahn gewonnen worden ist, wie sie nicht besser gewünscht werden kann“, so die hoffnungsvolle Kunde in den „Hippologischen Blättern“, „dieselbe liegt bei dem hamburgischen Dorfe Horn.“ Das war die Geburtsstunde der jetzigen Galopp-Rennbahn Hamburg-Horn. Mehr dazu unter: „Rennbahn“.


Zwar  fiel der geplante Eröffnungsrenntag wegen eines Unwetters buchstäblich ins Wasser, so dass der erste Renntag auf dem neuen Geläuf erst am 28. Juli 1855, dann allerdings in „musterhafter Ordnung“, über die Bühne gehen konnte, aber die Weichen waren auf Professionalisierung gestellt. Der Ausbau der Bahn wurde ebenso vorangetrieben wie die Erweiterung des sportlichen Angebots. Dem Mut, im Jahr 1856 gar ein dreitägiges Meeting auszuschreiben, folgte sogleich der folgerichtige Entschluss, sich fortan „Hamburger Renn-Club“ zu nennen. Der Verein war mittlerweile auf 600 Mitglieder angewachsen, das brachte vor allem dringend benötigte Mittel für die Clubkasse, die trotzdem oft nicht voll genug war, um alle Pläne zu verwirklichen. Umso erstaunlicher ist es, was der Hamburger Renn-Club in diesen Aufbaujahren geschafft hat. Auch der Schriftsteller Fédor André sparte in einem Artikel der damaligen Fachzeitung „Sporn“ nicht mit Lob: „Kein deutscher Rennplatz verdient in höherem Maße die Sympathien eines Sportsman als der von Hamburg,“, schreibt er, „alles dies hat ein kleiner Zirkel von wirklichen Freunden des Sports hergerufen, ohne jede andere Hülfe als die eigene Energie und Bereitwilligkeit zu Opfern.“


Tribünen wurden erbaut, das Derby nach Hamburg geholt. Dazu mehr in: Geschichte des Derbys. Die Galopprennbahn in Hamburg-Horn gewann zunehmend an Bedeutung, auch der sportliche Stellenwert wuchs. Das Derby wurde zum wichtigsten Ereignis im deutschen Galoppsport. Doch der Vorstand musste den Hamburger Renn-Club auch immer wieder durch schwieriges Fahrwasser manövrieren. Zwei Weltkriege, eine Revolution und die Inflation hat das Derby überstanden, auch wenn es dabei fünfmal nicht auf der „Heimatbahn“ ausgetragen werden konnte. Mit Idealismus, Kontinuität und großem Engagement hat der Vorstand des Hamburger Renn-Club auch schwierigste Krisen gemeistert. Immer wieder haben große Baumaßnahmen den Verein an finanzielle Grenzen gebracht. Auch aktuell sind die Aufgaben nicht einfacher geworden. Die Bahn musste  umfassend saniert werden, es gibt Pläne für einen kompletten Neubau gemeinsam mit den Trabern. Dazu kommt die nicht einfache Situation des deutschen Galopprennsports Anfang des neuen Jahrtausends.

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Geschichte des Hamburger Renn-Clubs

Der Hamburger Renn-Club feiert sein 50-jähriges Jubiläum. Copyright: Archiv HRC

Wichtige Gründungsväter des Hamburger Renn-Clubs: Eduard Moll, Senator Gustav Godeffroy, Vorsitzenderdes Hamburger Renn-Clubs von 1868 bis 1893, Georg Bandmann  und Hermann Roosen. Copyright: Archiv HRC

Es muss wohl ein gewaltiges Spektakel gewesen sein, welches sich schon im Jahr 1835 auf den Wandsbeker Wiesen abgespielt hat. „Alles drängt sich Kopf an Kopf, beladen mit Lebensrequisiten“, hieß es in den „Hippologischen Blättern“, „die Rennbahn selbst bildet einen eirunden Cirkus, so dass die Pferde gefälliger laufen können“. Von einem großen Volksfest war die Rede, das sich rund um die ersten Pferderennen Hamburgs abgespielt hat. Und das war erst der Anfang: Fortan wurden regelmäßig Rennveranstaltungen abgehalten, die Wandsbeker Rennen erfreuten sich weiter der Zuschauergunst und einer sich stetig steigenden Bedeutung. Die Revolution des Jahres 1848 machte dem munteren galoppsportlichen Treiben jedoch ein jähes Ende. Aber der Boden war bereitet …Copyright: Archiv HRC

1854-1868 Präsident Adolph Godeffroy (rechts) und 1868-1893 Präsident Gustav Goddeffroy (links). Copyright: Archiv HRC

Am 25. April 1855 war es soweit: „Es gereicht dem unterzeichneten Comité zur besonderen Befriedigung, den Herren Sportsmen die Anzeige machen zu können, dass eine neue Bahn gewonnen worden ist, wie sie nicht besser gewünscht werden kann“, so die hoffnungsvolle Kunde in den „Hippologischen Blättern“, „dieselbe liegt bei dem hamburgischen Dorfe Horn.“ Das war die Geburtsstunde der jetzigen Galopp-Rennbahn Hamburg-Horn.  Copyright: Archiv HRC

Die Horner Rennbahn 1860: Ganz Hamburg scheint auf den Beinen zu sein, um sich bei den Pferderennen zu vergnügen. Copyright: Archiv HRC

Die Derby-Begründer v. Schwichow und Graf Wilamowitz: Copyright: Archiv HRC

Nun fünfmal konnte das Deutsche Galopp-Derby, das 1869 in Hamburg erstmals ausgetragen wurde, kiregsbedingt nicht auf seiner "Heimatbahn" stattfinden. Im Jahr 1919 musste es nach Berlin-Grunewald verlegt werden. Im Zweiten Weltkrieg wird die Horner Rennbahn so schwer beschädigt, dass das Deutsche Derby fünf Jahre nicht hier stattfinden konnte: 1943 und 1944 wanderte es nach Berlin-Hoppegarten, 1945 fiel es ganz aus, 1946 fand es in München und 1947 in Köln statt. Copyright: Archiv HRC

1947: Hamburg ist zerstört. Das Derby kann fünf Jahre lang nicht auf seiner Heimatbahn stattfinden. Copyright: Archiv HRC